Über Tiden, Orcas und schöne Orte in der Bretagne

Heute ist der 24.08.22 und wir liegen im schönen Innenhafen von Camaret-sur-Mer. Dieses wäre ein guter Absprunghafen, um von hier aus beim nächsten guten Wetterfenster nach La Coruna zu segeln– etwa 340 sm quer über die Biskaya. Zwei Nächte durch, dann wäre man wohl drüben.

Camaret-sur-Mer

Aber in dieser Saison ist alles anders, denn es gibt einen oder mehrere Schwärme von Orcas, die die Segelboote attackieren, von unten gegen die Boote rumpeln und auch gern dabei die Welle verbiegen oder das Ruder abbeißen. Viele Schiffe mussten bereits manövrierunfähig abgeschleppt werden und vor etwa 1 Monat haben die Orcas eine Yacht vor der portugiesischen Küste versenkt. Die Crew musste in die Rettungsinsel. Schrecklich.

Zuletzt gab es drei Attacken am 20.08. und eine am 21.08. vor der nordspanischen Küste.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines solchen Angriffes bei etwa 1 % liegen dürfte: Ich (Regina) habe Angst davor, von 8 m langen Meeressäugern durchgeschüttelt und womöglich versenkt zu werden, auch wenn die es wahrscheinlich nicht böse meinen, sondern nur die Konkurrenz um den Thunfisch vertreiben wollen.

Es gibt diese Angriffe seit 2020, es begann also im Jahr nach unserer Rückkehr von der letzten Reise. Und in diesem Jahr sind die Tiere besonders früh in Nordspanien aufgetaucht. Im vergangenen Jahr gab es dieses Problem dort so massiv wohl erst im Oktober.

Ein Grund, vorerst nicht über die Biskaya zu segeln, sondern erst einmal die südbretonische Küste genauer in Augenschein zu nehmen. Vielleicht geht Marretje ja in der Vilaine oder Loire in ein Winterlager und wir fahren erstmal zurück nach Flensburg. Da waren ja auch noch ein paar Dinge zu Hause zu erledigen…..

Doch nun zurück zu den letzten Stationen.

Nachdem wir Marretje in Guernsey betankt hatten, sollte es weiter gehen ins etwa 60 sm entfernte Roscoff. Roscoff ist ein Hafen, den man bei jeder Tide anlaufen kann. Wir waren um 8 Uhr morgens aus Guernsey ausgelaufen und bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 kn wäre es möglich gewesen, abends gegen 20:00 Uhr in Roscoff anzukommen. Halt mit einer mitlaufenden und einer gegenlaufenden Tide.

Kurz hinter Guernsey gab es ganz netten Wind, aber er reichte nicht für 5 kn Fahrt. Wir wollten aber trotzdem segeln, auch wenn es etwas langsamer lief. Mit mitlaufender Strömung kamen wir auf 5 kn über Grund, und das ist beim mitlaufenden Strom halt einfach zu wenig. Irgendwann kippte die Tide, und von unseren 3,5 kn gesegelt durchs Wasser blieben nur noch 1,5 kn über Grund übrig, zumal wir im Bereich der Sept Iles gelandet waren, wo der Tidenstrom besonders stark ist. Das fühlt sich total ätzend an, es segelt sich wie auf Eiern. Und unterdessen wurde es halt auch langsam dunkel. Es war ja halt auch immer noch Springzeit. In dieser Gegend etwa 9 m Tidenhub und extraviel Strömung.

Als wir noch mit  0,5 kn über Grund segelten (der Wind hatte auch nachgelassen) bemerkten wir in unmittelbarer Nähe einen Schwarm Seevögel, der sich immer wieder in brodelndes Wasser stürzte. Wir sahen auch springende Fische und segelten lieber einen Bogen um das Ganze. Es sah auch aus als wenn Thunfische den Schwarm mit umzingelten. Wir konnten uns gut vorstellen, dass hier auch Orcas gern mitmischen würden, aber gesehen haben wir zum Glück keine.

Gemetzel im Meer

Ob auch Orcas dabei sind?

Nach Roscoff hätte es wohl noch die halbe Nacht gedauert (irgendwann kippt die Tide ja auch wieder), aber wie so oft abends war dann auch der Wind eingeschlafen und so beschlossen wir, den 10 Meilen näher gelegenen Hafen Trebeurden anzulaufen. Etwas unschön: Man musste sich durch ein teils unbetonntes, felsiges Gebiet tasten (ohne Kartenplotter kaum machbar) und die Zufahrt zum Hafen fällt zeitweise trocken. Wir mussten also davor den Anker schmeißen.

Zum Glück waren Plotter und Motor artig. Der Abend an sich war wunderschön, die Sonne ging mit einem Grünstich unter (sah mega aus) und der Vollmond erhob sich rot aus dem Meer.

Von den Felsen sah man in der Dunkelheit nicht viel, wir vertrauten halt voll auf den Plotter und hofften in keine Fishpots zu fahren, die oft an den unmöglichsten Stellen auslagen.

Wir erreichten den Ankerplatz vorm Hafen gegen Mitternacht bei etwas unter halber Tide, die Einfahrt zum Hafen war nicht mehr befahrbar und wir ließen auf etwa 10 m Wassertiefe in Dunkelheit 50 m Ankerkette in die Tiefe rauschen. Wohl wissend, dass das Wasser noch etwa um 7 m ansteigen würde. Ein irgendwie unheimlicher Gedanke.

Der Anker fällt im Mondschein

Zum Glück war es aber recht friedlich und müde waren wir sowieso.

Am nächsten Morgen sahen wir um uns herum eine wunderschöne Umgebung und eine Wassertiefe von 17,4 m, auf der wir ankerten! Also gab es auch genug Wasser, um in den Hafen zu fahren! Der Hafen Trebeurden ist wirklich wunderschön und liegt in einer großartigen Umgebung an der rosa Granitküste. Weil es so schön war, blieben wir 3 Tage dort und erst dann ging es tatsächlich weiter nach Roscoff.

Die Hafeneinfahrt Trebeurden bei Megahochwasser

Zwischen dem grünen und roten Bügel befindet sich ein Süll, damit der Hafen bei Niedrigwasser nicht leer läuft

Hier sieht man, wie dies funktioniert: Hafen noch voll genug!

Die Einfahrt nur noch ein Rinnsal

Die Tonnen über 10 Meter hoch

Die Gangway ist dann verdammt steil

Blick auf die Außenmole mit ...

... einer Untiefentonne - stimmt

Der Hafen liegt in einer beeindruckenden Felslandschaft









Es sieht aus wie in den schwedischen Schären


Radtour mit den Gratis-Elektrovelos des Hafens nach ...
 
Ploumanach und Wanderung zur ...

... rosa Granitküste


Kommentare

Uwe hat gesagt…
Cool. Orcas beißen keine Breehorns und ich bekomme kein Corona war mein Grundsatz. Nachdem ich über Weihnachten dann Corona hatte gilt nur noch der erste Teil :) an der Küste, mit dem Strom und Tidenhub zu ankern habe ich mich nicht getraut. Echt hohe Seemannschaft was ihr da veranstaltet.