Von besonderen Breehorns, flinken Figaros und imposanten Imocas

Die Nordbretagne verabschiedet sich von uns so wie man sie schlechthin erwartet – mit Feuchte und Nebel. Also ganz anders als in den durchweg sonnigen Wochen zuvor. Wir liegen im Hafen von L’Aber Wrac’h und es gibt noch an diesem Tag das letzte Mal eine Gratisfähre über den Fjord zum Anleger Perros. Die wollen wir nutzen, um eine Wanderung landeinwärts entlang des Ufers bis zur Brücke in Paluden und auf der anderen Seite zurück zum Liegeplatz zu machen. Laut Wetterbericht soll es nur morgens kurz regnen. Stimmt, aber leider dauert der Morgen bis zum Ende der 12 Kilometer langen Wanderung. Durchnässt, aber mit schönen Eindrücken kommen wir wieder am Boot an. Wir sind sehr nass geworden, aber es war auch ein sinnliches Erlebnis, den Regen auf der Haut zu spüren.

Start in den feuchten Wandertag ...

... auf der kleinen Fähre als einzige Passagiere

Ufer des L'Aber Wrac'h bei Sonnenschein tags zuvor

Halbzeit: Nass an der Brücke in Paluden ...

... aber noch kein Wrack

Am nächsten Morgen wollen wir weiter Richtung Süden. Aus dem Fjord geht es direkt unter Segeln und noch bei guter Sicht. Doch draußen erwartet uns dichter Nebel, aber der Wind bleibt. Der wird doch hoffentlich bald den Nebel vertreiben, so denken wir und segeln weiter. Doch den Nebel bleibt fast den ganzen Segeltag bis wir die Bucht von Brest erreichen. Erst auf dem Weg nach Camaret-sur-Mer wird die Sicht nach und nach besser und immer mehr Boote tauchen auf, die dasselbe Ziel haben. Als wir abends an einer Boje festmachen sind wir ziemlich geschafft, das aufmerksame Schauen und Horchen im Nebel strengt echt an.

Am nächsten Morgen herrscht wieder dickster Nebel - das nahe Land ist nicht zu sehen. Nur ganz langsam lichtet dieser sich und gibt nach und nach den Blick auf eine wunderschöne Yacht mit hellblauem Rumpf frei, die knapp hinter uns vor Anker liegt. Es ist irgendwie eine besondere Breehorn, denn es ist die neue Breehorn 48 LAAXUM von Lars, dem Chef der Werft. Eine schöne Überraschung, sie hier zu treffen.

Breehorn 48
Charakteristik: Blauwasseryacht
Bauwerft: Breehorn
Konstrukteur: Simonis Vogt
Länge = 14,7 m
Länge über Alles = 14,7 m
Breite = 4,4 m
Tiefgang = 2,2 m
Gewicht = 16.000 kg
Preis = 750.000 €

LAAXUM im dichten Nebel am Morgen

LAAXUM noch im Nebel eine halbe Stunde später

LAAXUM aus dem Nebel eine Stunde später

Einige Tage später haben wir die Südbretagne tatsächlich erreicht und wir segeln von Loctudy, wo wir ein wirklich tolle Zeit hatten, in Richtung Port-la-Foret. Wir wollen den Start zur zweiten Etappe des Solitaire du Figaro beobachten. Doch der Wind wird schwächer und schwächer und wir werden zu langsam sein. Zur Startlinie schaffen wir es tatsächlich nicht mehr. Aber wir dümpeln in der Nähe einer Untiefentonne, an der das Regattafeld vorbeikommen müsste. Kurze Zeit später segeln über 30 flinke Figaros in einer langen Reihe aus der Bucht, an uns vorbei und das in Begleitung einer noch viel größeren Anzahl an Booten: vom Schlauchboot bis zum Fahrgastschiff. Wir halten Ausschau nach einem besonderen Figaro und können zunächst nichts entdecken. Doch plötzlich segelt sie direkt an uns vorbei: die THIS RACE IS FEMALE mit Sanni Beucke aus Kiel. Wir wünschen viel Glück.

Das Regattafeld muss noch einige Zick-Zack-Kurse vor der Küste für die Zuschauer an Land fahren bis es endlich auf die lange Strecke von 600 Seemeilen in den englischen Kanal entlassen wird. Für uns bleibt da nur der echt kurze Weg in den Hafen. Wir dürfen an den nun weitgehend verwaisten Regattasteg (eine Figaro ist nicht gestartet) festmachen und erleben dann die letzten Stunden des Hafenfests.

Figaro 3
Charakteristik: Offshore-Racer, Monohull, Einheitsklasse mit Foils
Bauwerft: Beneteau
Konstrukteur: VPLP
Länge = 9,8 m
Länge über Alles = 10,9 m
Breite = 3,4 m
Tiefgang = 2,5 m
Gewicht = 3.000 kg
Preis = 250.000 €

Regattafeld der Figaros kurz nach dem Start

auch THIS RACE IS FEMALE ...

... mit Sanni Beucke legt los

Regattafest, dieser Figaro hat es nicht zum Start geschafft

Wir liegen bei den Racern super geschützt

Als wir am nächsten Morgen auslaufen, hängt die nagelneue Imoca MAITRE COQ am Kranhaken, wartet auf die Montage der Foils und auf ihre Erstwasserung. Ihr Segler ist Yannick Bestaven, der Sieger der letzten Vendée Globe Regatta um die Welt. Nur wenige Leute interessieren sich dafür. 

Tags drauf, als wir von einer Ankerbucht bei Concarneau zur Ile de Groix segeln, saust ein besonders flinkes besonderes Boot an uns und der Untiefentonne neben uns vorbei. Es ist die ebenfalls nagelneue MALIZIA-SEAEXPLORER von Boris Hermann auf dem Weg zur Tauffeier in Hamburg vor Tausenden von Leuten. Kann man mal eben schnell so machen, wenn man so schnell ist, also mit einem Potential von bis zu 500 Seemeilen am Tag. Imposant dieses Geschoss unter Segeln so nah zu sehen. Etwas später folgt noch in unserer Nähe die LINKEDOUT und wir sehen weitere schwarze Segeldreiecke von anderen Mitstreitern in der Ferne. Alle sind also fleißig am Trainieren – das nächste Vendée Globe steigt ja schon in zwei Jahren!

Das machte uns neugierig und nachdem wir einige schöne Tage auf der wunderschönen Insel Groix verbracht haben, ging es nach Port Louis und von dort nach Lorient, dem Mekka der Imoca-Segler. Der Hafen dieser Racer mit Namen La BASE liegt direkt an einem mächtigen, massiven U-Boot-Bunker der deutschen Wehrmacht aus dem zweiten Weltkrieg. Abschreckend und was für ein Kontrast zu den bunten, lebendigen Segelbooten davor. Ein Teil der umliegenden weiteren Bunker ist zu Werkhallen umfunktioniert worden. Erstaunlicherweise sind die Stege frei zugänglich. Die Teams scheinen bei aller Konkurrenz doch ein offenes Verhältnis zu pflegen. Sehr inspirierend. Spannend sich vorzustellen, wie diese Kisten mit nur einer Person an Bord non-stop und rasend schnell in etwa 80 Tagen um die Welt segeln. Und spannend zu sehen, welch großer technischer Aufwand dafür getrieben wird. So etwas kostet natürlich.

Imoca
Charakteristik: Offshore-Racer, Einzelbauten nach Klassenvorschrift, Monohull mit Foils
Bauwerft: z. B. Multiplast
Konstrukteur: z. B. VPLP
Länge = 18,3 m
Länge über Alles = 22 m
Breite = 5,7 m
Tiefgang = 4,5 m
Gewicht = 7.600 kg
Preis = 6.000.000 €

MAITRE COQ hängt noch am Kranharken in Port-la-Foret vor der Erstwasserung

MALIZIA-SEAEXPLORER mit Boris Hermann saust direkt an uns vorbei ...

... gefolgt von LINKEDOUT mit Thomas Ruyant

Die U-Boot-Bunker in Lorient

Werkhallen des Malizia-Teams am Bunker

Überall stehen noch weitere Bunker herum

Der U-Boot-Bunker als Kulisse für La BASE

PRYMIAN GROUP: Check des Großsegels

BIOTHERM schwimmt erst wenige Tage

FORTINET-BEST WESTERN: ex MALIZIA II von Boris Hermann 

Hunderte von MINI 650 sind hier auf dem Trockenen geparkt

Nun schließlich hier in La Trinité gibt es für uns tatsächlich noch schnellere Segelboote zu bestaunen. Direkt an der Einfahrt zum Yachthafen liegen nebeneinander 3 Maxi-Trimarane: SPINDRIFT, IDEC SPORT und ACTUAL ULTIM 3. 

Deren Bestimmung ist es, sich gegenseitig alle möglichen Streckenrekorde abzujagen. Beim Rennen mit kompletter Mannschaft gegen die Zeit um die Welt hat seit 2017 die IDEC SPORT die Nase vorne mit etwas weniger als 41 Tagen im dritten Versuch. Diese Messlatte ist anscheinend sehr hoch, den alle späteren Versuche blieben bislang erfolglos. Erst 1993 gelang es mit einem Katamaran unter 80 Tagen zu bleiben und so erstmals die Bedingungen der Jules-Verne-Trophy zu erfüllen. Nun müsste man schon doppelt so schnell sein, um einen neuen Rekord zu schaffen. Ob es dieses Potential unter Segeln tatsächlich noch gibt?

Ultim Trimaran
Charakteristik: Offshore-Racer, Einzelbauten nach Klassenvorschrift, Trimaran mit Foils
Bauwerft: z. B. Multiplast
Konstrukteur: z. B. VPLP
Länge = 31,5 m
Länge über Alles = 31,5 m
Breite = 22,5 m
Tiefgang = 5,7 m
Gewicht = k. A.
Preis = k. A.

3 x 3 Rümpfe nebeneinander: SPINDRIFT, IDEC SPORT, ACTUAL ULTIM 3

IDEC SPORT: Weltrekordhalterin mit Liegeplatz in La Trinité

Kommentare

Iris-Freia Burkantat hat gesagt…
Wie schön, die Berichte zu lesen. Die Begeisterung für gute Boote ist durch deine Beschreibung spürbar.